Was ist Osteopathie?
Die Osteopathie ist eine eigenständige, ganzheitliche medizinische Disziplin, die sich durch manuelle Diagnostik und Behandlung auszeichnet. Im Mittelpunkt steht die Erforschung und Behandlung der Ursachen von Beschwerden – stets mit dem Blick auf den Menschen als Ganzes.
Vor mehr als 140 Jahren legte der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still nach intensiver Forschung die Grundlagen der Osteopathie und damit den Grundstein für eine neue Richtung in der Medizin. Seitdem hat sich die Osteopathie stetig weiterentwickelt und etabliert.
Die vier Prinzipien
Die Osteopathie beruht auf vier grundlegenden Prinzipien, die die Diagnostik und Behandlung leiten:
1. Der Körper ist eine Einheit
Der Körper wird als Ganzes betrachtet, in dem alle Strukturen und Funktionen miteinander verbunden sind. Körper, Geist und Seele gelten in der Osteopathie als untrennbare Einheit. Störungen in einem Bereich können daher Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.
2. Struktur und Funktion beeinflussen sich gegenseitig
Die anatomische Struktur des Körpers und seine physiologischen Funktionen stehen in enger Wechselwirkung. Veränderungen der Struktur können die Funktion beeinträchtigen – und umgekehrt. So kann beispielsweise eine eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit die Durchblutung und Nervenversorgung stören und dadurch Funktionsstörungen hervorrufen.
3. Der Körper besitzt Selbstregulations- und Selbstheilungskräfte
Der menschliche Körper verfügt über die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren und zu heilen. Aufgabe der Osteopathie ist es, Blockaden und Dysfunktionen zu lösen, um diese natürlichen Kräfte zu unterstützen. Der Osteopath regt den Körper dazu an, wieder in sein Gleichgewicht zu finden.
4. Ganzheitliche Diagnose und Behandlung
Diagnose und Therapie richten sich stets nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Dabei wird der gesamte Körper berücksichtigt – nicht nur die Symptome. Ziel ist es, die Ursachen von Beschwerden zu erkennen und zu behandeln, anstatt ausschließlich die Symptome zu lindern.
Die drei Teilgebiete der Osteopathie
Die Osteopathie umfasst drei große Bereiche, die jeweils spezifische Systeme und Strukturen im Körper ansprechen. Diese werden häufig miteinander kombiniert, um den Menschen ganzheitlich zu betrachten und zu behandeln.
Parietale Osteopathie
Die parietale Osteopathie befasst sich mit dem Bewegungsapparat, also mit Muskeln, Gelenken, Knochen, Bändern und Sehnen. Behandelt werden unter anderem Muskelverspannungen, Gelenkblockaden oder Fehlstellungen. Ziel ist es, Bewegungseinschränkungen und Spannungen zu lösen, die Funktion des Bewegungsapparates zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
Viszerale Osteopathie
Die viszerale Osteopathie konzentriert sich auf die inneren Organe und deren umgebende Strukturen wie Bindegewebe und Bänder. Sie zielt darauf ab, die Beweglichkeit und Funktion der Organe – zum Beispiel von Magen, Darm, Leber oder Nieren – zu verbessern. Da Funktionsstörungen der Organe auch Auswirkungen auf den Bewegungsapparat und andere Systeme haben können, versucht die viszerale Osteopathie, diese Wechselwirkungen positiv zu regulieren.
Kraniosakrale Osteopathie
Die kraniosakrale Osteopathie arbeitet mit dem zentralen Nervensystem, einschließlich der Schädelknochen, des Kreuzbeins sowie der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie basiert auf der Annahme, dass im Schädel- und Wirbelsäulenbereich ein feiner Rhythmus vorhanden ist, der eine wichtige Rolle für die Gesundheit spielt. Funktionsstörungen in diesem Bereich können sich unter anderem in Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten äußern. Ziel der kraniosakralen Osteopathie ist es, den Fluss der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit zu optimieren und das Nervensystem zu unterstützen.
Ablauf einer osteopathischen Behandlung
Erwachsene
Anamnese und Untersuchung
Die Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch und einer körperlichen Untersuchung. So kann ich mir ein genaues Bild über Ihre Beschwerden und deren Ursachen verschaffen.
Behandlung
Im Anschluss erfolgt die eigentliche Behandlung. Osteopathinnen und Osteopathen arbeiten ausschließlich mit den Händen. Die Behandlung wird individuell an den Patienten angepasst und umfasst Techniken, die von sehr sanften Berührungen bis hin zu stärkerem Druck und Mobilisation blockierter Strukturen reichen können.
Nach der Behandlung
Zum Abschluss besprechen wir gemeinsam das weitere Vorgehen. In den ersten 1–3 Tagen nach einer Behandlung kann es zu einer sogenannten Erstverschlimmerung kommen: Das Gewebe reagiert auf die neuen Reize und beginnt, sich neu zu strukturieren. Dies kann sich beispielsweise in vermehrtem Schlafbedürfnis oder einem muskelkaterähnlichen Gefühl äußern. Diese Reaktionen sind normal, ein gutes Zeichen und kein Grund zur Sorge.
Kinder und Babys
Anamnese und Untersuchung
Auch bei Säuglingen und Kindern beginnt die Behandlung mit einem Anamnesegespräch. Dass Babys noch nicht sprechen können und Kinder je nach Alter Schwierigkeiten haben, ihre Beschwerden genau zu beschreiben, ist dabei kein Problem. Als Kinderosteopathin bin ich geschult, viele Informationen über eine sorgfältige körperliche Untersuchung wahrzunehmen. So kann ich mir ein exaktes Bild über die Beschwerden und deren mögliche Ursachen verschaffen.
Behandlung
Anschließend erfolgt die eigentliche Behandlung. Wie bei Erwachsenen wird ausschließlich mit den Händen gearbeitet. Jede Behandlung ist individuell, dabei gilt: Säuglinge und Kinder reagieren sehr fein und benötigen in der Regel nur sanfte, behutsame Techniken.
Nach der Behandlung
Zum Abschluss besprechen wir gemeinsam das weitere Vorgehen. Auch bei Babys und Kindern kann es nach der Behandlung zu einer kurzen Reaktionsphase kommen, in der sich der Körper neu ausrichtet und die Impulse verarbeitet.
Behandlungskosten und Kostenübernahme
Abrechnung nach dem Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH):
30 Minuten: 65 EUR
50 Minuten: 110 EUR
Gesetzlich Versicherte
Viele gesetzliche Krankenkassen unterstützen osteopathische Behandlungen anteilig. Teilweise wird hierfür ein Empfehlungsschreiben vom Arzt verlangt. Außerdem setzen einige Kassen den Nachweis einer beruflichen Qualifikation voraus, den ich mit meiner Mitgliedschaft im VOD erbringe. Bitte informieren Sie sich hier über die individuellen Voraussetzungen und Zuschüsse Ihrer Krankenkasse.
Privat Versicherte
Private Krankenversicherungen übernehmen Heilpraktikerleistungen in der Regel bis zum Höchstsatz der Gebührenordnung, sofern diese nicht im Versicherungsvertrag ausgeschlossen wurden. Bitte prüfen Sie hierzu die Bedingungen in Ihrem Versicherungsvertrag.
Zusatzversicherte
Auch Zusatzversicherungen erstatten Heilpraktikerleistungen. Art und Höhe der Bezuschussung sind jedoch vom jeweiligen Tarif abhängig.
Beihilfeversicherte
In Baden-Württemberg werden die Kosten für osteopathische Behandlungen von der Beihilfe weitgehend übernommen.
Behandlungsdauer und Häufigkeit
Eine osteopathische Behandlung dauert etwa 50 Minuten. Die Häufigkeit einer osteopathischen Behandlung ist sehr individuell: Bei akuten Beschwerden reichen oft schon zwei bis drei Termine im Abstand von zwei bis vier Wochen, während bei chronischen Problemen auch mehr Sitzungen notwendig sein können.